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„Ich wohne auf der Platte“

Ein außergewöhnlicher Mann setzte sich am Bahnhof. Ein Hand griff eine Flasche Bier und die andere ein Stück Zigarette. Er war betrunken. Schmutzige und stinkende Kleidung trug er. Er ist arbeitslos, obdachlos. Ohne Frau, ohne Kinder, manchmal ohne Zukunft. Der Bahnhof ist sein Zuhause. Ich sehe ihn oft am Bahnhof, und vor solchem Typ habe ich wirklich Angst. Wenn ich ihn sehe, wie auch die anderen, gehe ich weg, laß ihn schnell in Ruhe und nehme einen anderen Weg. Dann war plötzlich etwas anders passiert.

ANGST ÜBERWINDEN

Ich habe mich freiwillig angemeldet bei der Bahnhofsmission (Bonn) zu arbeiten. Diese Mission, eine Apostolat bei der Caritas, kümmert sich um Menschen am Rand der Gesellschaft, besonders die am Bahnhof sind: arbeitslos, obdachlos, behindert, arm...Hier treffe ich Menschen, die ich am Bahnhof sehe, genau wie der Mann, vor dem ich am Anfang Angst hatte. Nach meine wöchentlichen Begegnung und Gespräch mit ihnen habe ich diese Angst überwunden. Manche sind offen, freundlich und gar nicht gefährlich. An der Bahnhofsmission bekommen sie kostenlos Kaffee, Brot und manchmal Kleidung. Sie bekommen nicht nur körperliche Nahrung sondern auch Freunde, mit denen sie reden können. Die Mission sorgt dafür, dass sie nicht nur die kalte Nacht überleben, sondern auch eine warme Aufnahme erfahren.

ARMUT IN DEUTSCHLAND?

In der Bahnhofsmission erlebe ich eine andere Welt. Dort sehe ich ein anderes Gesicht Deutschalnds. Ein trauriges, aber ganz realistisches Bild. Im totalen Gegesatz zum materiellen Wohlstand stehen viele Arbeitslose, Obdachlose und Arme. Ich habe einmal einen Man gefragt wo er wohne, die Antwort war: „Ich wohne auf der Platte.“ Jedesmal wenn ich nach mainem Einsatz unsere Mission verlasse, sehe ich plötzlich andere Gesichter von Menchen, die am Bahnhof auf den Zug warten. Sie sind gut angezogen. Sie haben ein bestimmtes Ziel im Leben. Für sie geht das Leben immer weiter und weiter.

STILLER TEIL DES BAHNHOFS

Am Bahnhof sieht man riesige Menschenmengen von überall in ständiger Bewegung. Sie rennen, laufen und sind immer in Eile. Die Zeit ist unglaublich wichtig. Jede Minute, Sekunde bedeutet Leben und Erfolg. Ein eigenes Ziel vor Augen hat jeder. Millionen von Menschen kommen und gehen. Tag und Nacht. Aber am Bahnhof gibt es auch einen anderen Rhytmus... gelassen, in Stille, ohne Hast und ohne Panik aber auch manchmal ohne Richtung und Sinn. Der Zug fährt weiter, aber unsere Mission am Bahnhof bleibt. Wir sind da für die Menschen, die mit der Geschwindigkeit des Lebens nicht mehr zurecht kommen. Für sie der Zug geht nicht mehr wieter. Bahnhof ist für viele Leute ein kurzer Zwischenaufenthalt, aber für einige der Zug endet hier... wie die Zukunft und auch das Leben?

Adonis Narcelles Jr.