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Zwei Wochen bei den Müllers

So lautet eine Redewendung: Die Familie ist die erste Schule. Die Schule unterrichtet, aber die Familie erzieht. Jeder Mensch ist von seiner Familie sehr geprägt. Die Familie ist die Quelle der Tugenden. Niemand ist vom Himmel gefallen, sondern er stammt von der Familie ab. So wächst in der Familie, auch der Pflanzen der Berufung, das im Laufe der Zeit viele Früchte trägt. Die Trennung von der Familie ist schmerzvoll. Aber wenn man sich in einer anderen Familie Zuhause fühlt, dann das ist eine unvergeßliche Erfahrung. Das war mein Erlebnis, als ich in den Sommerferien für zwei Wochen bei der Familie Müller war. Die Sommerferien sind längst vorbei, aber die schönen Erinnerungen sind immer noch frisch.

Unser Missionspriesterseminar in St.Augustin hält Begegnungen für einen sehr wichtigen Teil in der Ausbildung der zukünftigen Steyler Missionare und bietet uns Gelegenheiten für Familienferien, Praktika in Pfarreien, in Krankenhäusern, in Altenheimen und so weiter. Während der Sommerferien dieses Jahres hatte ich die Gelegenheit, zwei Wochen bei der Familie Müller in Trennfeld zu verbringen. Trennfeld ist ein Dorf am Main, südlich von Würzburg, in Bayern. Diese Familie ist mit unseren indonesischen Mitbrüdern so nahe verbunden, daß diese sie schon als ´Missionshaus` bezeichnet haben. Die Familie hat zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter, die schon verheiratet ist. Sie haben eigene Wohnungen, und nur die Eltern sind Zuhause. Jetzt war ich ihr Sohn auf Zeit geworden. Was mir besonders auffiel war, ihre Akzeptanz, Gastfreundschaft, Liebe und Sorge für mich. Sie haben für mich alles getan, um mir ein gutes Gefühl zu geben. Der Besuch war sehr abwechslungsreich: von Gemütlichkeit bis hin zu gemeinsame Aktivitäten war alles vertreten. Bei unseren Exkursionen hatte ich die gute Gelegenheit, Land und Leute kennenzulernen. Zum Beispiel haben wir Verwandte besucht. Außerdem haben wir uns die Bischofstadt Würzburg angesehen. Ich konnte meinen Augen nicht trauen, wie königlich die Bischöfe in der Vergangenheit gelebt haben. Dann hatte ich einmal die Gelegenheit, mit den Senioren des Dorfes einen Ausflug nach Michelstadt mitzumachen. Michelstadt liegt im Herzen des Odenwaldes und im Schnittpunkt drei bekannter Touristenstraßen, der deutschen Ferienroute Alpen-Ostsee, der Nibelungenstraße und der deutschen Fachwerkstraße. Mit den erfahrenen Senioren einen Tag lang zusammen zu sein war eine wunderschöne Erfahrung. Während meines Aufenthalts hatte ich auch die Gelegenheit, ein Dorffest am Main mitzuerleben. Bei diesem Fest kamen alle Dorfbewohner und Bewohner aus den Nachbardörfern zusammen. Es hat mich sehr beeindruckt, wie die Leute zusammenkommen, singen, essen und trinken. Das fördert den Zusammenhalt utereinander. Das ist der schönere Teil des dörflichen Lebens, daß die Leute miteinander gut zusammen feiern können.

Die Zeit wartet auf niemanden. Die zwei Wochen sind wie zwei Tage vergangen, und ich mußte schon wieder abreisen. Aber das Erlebnis bei der Familie Müller war unvergeßlich, obwohl ich mit der Sprache, insbesondere mit dem bayerischen Dialekt Probleme hatte. In dieser Zeit konnte ich die Deutschen, ihre Kultur und Lebensgewohnheiten viel besser kennenlernen. Ich habe mich sehr gefreut, bei den Müllers sein zu dürfen, und bin ihnen sehr dankbar dafür, daß sie mich so verständnisvoll und liebevoll aufgenommen haben. Das hat auch meine Berufung verstärkt. Vertrauen, Liebe und Verständnis sind wichtig für jeden Menschen in jeder Familie, auch in der großen „SVD-Familie“, deren Mitglied ich bin. Ich hoffe, auch in Zukunft viele solche Erfahrungen machen zu dürfen, die mich stärken auf dem Weg der Berufung. Denn die Nachfolge Jesu bedeutet im Leben nicht nur Kreuzweg, sondern auch die Erfahrung von Liebe. „Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist die Liebe.“ ( 1 John 4,8).

Vijay Kumar Tirkey