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Sein ist die Zeit

„Wollen wir uns irgendwann in dieser Woche treffen.“ „Nein ich habe keine Zeit.“ So lautet die so oft gehörte Antwort über die Zeit. Wir leben in einer Zeit, wo Menschen nur Zeit dafür haben, keine Zeit zu haben. Unter solchen heutigen Herausforderungen hat die Kirche in Deutschland eine Zeit gewonnen, über ihre Glaubenserfahrungen in der heutigen post-modernen Welt zu reflektieren, sie ein wenig der gegenwärtigen Situation anzupassen und auch die Lebensformen und die säkularisierte Tendenz der Gesellschaft, wenn es nötig ist, herauszuforden. Anders gesagt, es war ein Versuch den lebendigen Glauben auszusprechen. Auf dem Katholikentag war das ein wenig erfahrbar gewesen, dass wir alle nach einer Gemeinschft hungern , die lebendig, kirchenbezogen, aber auch gegenwarts bezogen ist. Man kann also den Katholikentag unter den vier folgenden Themen strukturieren: Weggemeinschaft unter der Herausforderung der Gottesfrage, Weggemeinschaft mit Christus, Weggemeinschaft der Kirche als Volk Gottes und Weggemeinschaft mit allen Menschen guten Willens. Alle Veranstaltungen orientierten sich in diese Richtung mit den Mitwirkenden, die von den verschiedensten Bereichen der heutigen Gesellschaft (politisch, soziologisch, theologisch,...) kamen. Jeder Teilnehmer am Katholikentag hatte die Möglichkeit, nach seinem Interesse die Veranstaltungen zu besuchen. Die Frage, die sehr oft in den verschiedenen Podien vorkamen, waren wesentlich mehr auf Gegenwart und Zukunft als auf die Vergangenheit bezogen. Es war auch der gemeinsame verantwortliche Weg des Volkes Gottes deutlich zu spüren, eine lebendige Kirche zu schaffen, die nicht der Vergangenheit verhaftet, sondern ursprungs bezogen, gegenwarts bezogene, und konfessionsoffen ist. In Bezug auf die heutigen Jugendlichen kam eine Frage des Publikums während der Diskussion mit Hans Küng und Friedrieke Woldt auf. Die Jugendlichen von heute fänden es schwierig, die Sprache der Katholischen Kirche (überhaupt) zu verstehen. Die Antwort war, dass ein aufrichtiger Versuch, es zu überwinden, vorhanden sei. Aber unsere Frage ist nun, wer wen verlassen hat: die Kirche (hier ist die sogenannte Hierarchie gemeint) das Volk Gottes oder das Volk Gottes (hier konkret die Jugendlichen) die Kirche ? Eine solche Kritik wäre nur in solcher Situation angeraten, wo gegenseitiger Vorwurf, der nicht zu einer gesunden Entwicklung des gemeinsamen Weges helfen würde, gegeben ist. Solche Vorwürfe sollten wir nicht machen. Das wollen wir auch nicht. Wir sind als Volk Gottes davon herausgefordert, die heute viel besprochene Reform von unten als eine positive Möglichkeit „in die Hand zu nehmen,“ um die Lücke zwischen der heutigen Jugend und der Kirche, die zum Teil von uns geschaffen ist, durch die verantwortliche Teilnahme am gemeinsamen Weg zu füllen. Das soll nicht bedeuten, dass unser Einsatz zu einer bloßen rücksichtslosen Reform - ohne die Notwendigkeit eines aufrichtigen Wechsels - werden sollte, sondern eine aufrichtige, aufeinander rücksichtnehmende Reform, die an einer lebendigen Kirche orientiert ist, wo Menschen ein Zuhause finden können, wo die Lücke zwischen den Jugendlichen und Älteren, zwischen Konfessionen, Rassen und auch Religionen, wenn es sein sollte, überwunden wird, und wo das Volk Gottes zueinander in Beziehung stehen kann. Das braucht aber Zeit. Und: „Sein ist die Zeit“, und das gilt für jetzt und in Ewigkeit. Anantham Antony