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In Sankt Augustin gestrandet

Ich bin neu in der Ausbildungsgemeinschaft von St. Augustin, so ist es sicherlich nicht unangebracht, wenn ich mich ein wenig bekannt mache. Ich stamme aus Bayern und habe in Österreich, in St. Gabriel, als Frater meine Studien gemacht. Seit meiner Priesterweihe im Jahr 1975 habe ich in Indonesien, auf der Insel Flores in unserem Seminar in Ledalero gearbeitet, habe dort Dogmatik unterrichtet, aber auch schon mal in Fundamental-theologie und Missionstheologie ausgeholfen.

Letztes Jahr im Oktober bin ich ganz gewöhnlich und ohne den leisesten Gedanken an St. Augustin auf Urlaub gefahren. Aber dann hat das Schicksal zugeschlagen, und ich bin gebeten worden, für drei Semester, bis Mitte 2001, in der Fratresgemeinschaft in St. Augustin als Spiritual auszuhelfen. Als auch mein Provinzial in Ende diesem Antrag zugestimmt hatte, bin ich am 13. Dezember - hoffentlich steht wegen dem 13. kein schlechter Stern über meiner Arbeit - in St. Augustin eingezogen und habe versucht, meine neue Aufgabe in Angriff zu nehmen. Ich bin zwar als Bayer ein halber Ausländer in St. Augustin; aber in einer Gemeinschaft von überwiegend Ausländern unter den Fratres, fällt das nicht weiter ins Gewicht. Außerdem ist mir St. Augustin auch nicht gänzlich unbekannt. Ich hatte die Ehre, im Jahr 1983 hier mein Doktoratsstudium zu beginnen, damals als der erste Doktorand von St. Augustin. Es freut mich zu hören, daß ich inzwischen schon eine ganze Serie von Nachfolgern gefunden habe.

Trotzdem ist es natürlich meine erste und wichtigste Aufgabe, die Lage der Hausgemeinschaft, der Fratresgemeinschaft und vor allem die einzelnen Fratres selber so gut wie möglich kennenzulernen, um zu sehen, was ich vielleicht zu ihrer Ausbildung als künftige Missionare in der Gesellschaft des Göttlichen Wortes beitragen kann. Ich bin zum ersten Mal in einer solch kleinen und internationalen Gemeinschaft; und es ist belebend für mich zu sehen, welch gute Potentiale wir in dieser Gemeinschaft haben. Ich habe schon begonnen und muß noch weiterhin versuchen, diese Potentiale kennenzu- lernen und sie dann weiter zu fördern und für die norddeutsche Provinz und die ganze SVD, so gut es geht, fruchtbar zu machen.

Was mir dabei besonders am Herzen läge, wäre, daß die ganze Gemeinschaft von St. Augustin in größerem Ausmaß eine Ausbildungsgemeinschaft würde. Man kann die Ausbildung nicht an ein paar Offiziale delegieren. Es ist notwendig, daß die Hausgemeinschaft hinter dem Präfekten und Spiritual und, wer immer mit einer besonderen Aufgabe betraut wird, steht. Ich erhoffe mir hier eine fruchtbare Zusammenarbeit und hoffe, eine Menge zu lernen für meine weitere Arbeit in Ledalero ab dem nächsten Jahr. Ich bin also sozusagen zu einem Gastspiel hier in St. Augustin, eine gute Gelegenheit für mich, etwas Neues zu lernen und auch zu der Situation und Arbeit in Ledalero Abstand zu gewinnen. Das ist auch immer von Vorteil aus der Ferne sieht man manches, was einem im Trubel des Alltags sonst entgeht. P. Georg Kirchberger

Aus Begegnungen erwachsen Einstellungen

Am 8. Mai 2000, einen Tag nach der Priesterweihe von sieben Mitbrüdern (vier Indonesiern, 2 Slowaken und einem Polen – aber keinem Deutschern) kam Pater Dr. Hans Langendörfer S.J., der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, in unsere St. Augustiner Ausbildungsgemeinschaft. Im Gottesdienst, den er mit uns hielt, und in der abendlichen Konferenz mit den Fratres war er doch überrascht, in unserem Seminar solch eine weltweite, interkulturelle geistliche Atmosphäre und Gemeinschaft vorzufinden. Die Fratres aus Europa, Asien, Afrika und Amerika hielten auch mit ihren Fragen an die deutsche Kirche nicht zurück: Wie können wir die Situation der Kirche in Deutschland und Europa verstehen? Warum fehlen der Kirche hierzulande die geistlichen Berufe? Wo sind die missionarischen Herausforderungen der Kirche hier? Haben christlicher Glaube und Kirche hier eine Zukunft, und wenn ja , welche?

Diese Fragen bewegen unsere Ordensjugend, die hier in Deutschland ihre Formation erhält und ihr Studium absolvierten. Aber nicht nur die Studenten sind auf der Suche nach Antworten auf solche drängenden fragen! Die ganze SVD steht in einer enormen Übergangsperiode. Wir spüren die Veränderungen in Gesellschaft und Kirche. Der Globalisierungsprozess geht in seiner Ambivalenz nicht spurlos an uns vorüber! Unser 15. Generalkapitel wird sicherlich noch heiße Diskussionen über diese Fragen führen, die - so bleibt zu hoffen - unter dem Wirken des Heiligen Geistes uns alle segensreiche Früchte bringen mögen!

Wir versuchen in unserer Ausbildungsgemeinschaft mit bescheidenen Mitteln und oft nur kleinen Schritten uns diesen Situationen und Herausforderungen zu stellen.

Nicht zuletzt gelingt uns dies immer dann, wenn wir uns aufmachen zu den Menschen unserer Zeit, wenn Fratres in Praktika und sozialen und apostolischen Einsätzen Menschen vor Ort begegnen. Einige tun dies in Kontakten mit hiesigen Familien; oder in Gemeinde- und Schulpraktika; Kontakte mit Jugendlichen werden an verschiedenen Stellen gesucht und wahrgenommen. Gerade hier wird uns unser interkulturelles Charisma als Socii Verbi Divini immer wieder positiv bestätigt.

Aktivitäten gibt es in zahlreichen Kontakten mit ausländischen Gemeinden und Mitbürgern; im Besuch von Gottesdiensten dieser verschiedensten sprachlichen und kulturellen Gemeinden. Einige gehen regelmäßig ins Jugendgefängnis, um dort die Probleme und Nöte der einsitzenden jungen Menschen kennenzulernen. Andere besuchen alte und kranke Menschen in Altenheimen oder erleben die Nöte gestrandeter Menschen in der Bahnhofsmission. Die Fragen nach Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, der Dialog mit anderen Kulturen und Religionen bewegen unsere Gemeinschaft auf vielfache Weise. Aus ersten Begegnungen erwachsen nicht selten neue Einstellungen und Initiativen. So weht Gottes Geist auch in unserer Zeit und in unseren Gemeinschaften. Wir erbitten uns von IHM die Offenheit und missionarische Zuversicht für unsere Mission heute. Der Heilige Geist möge uns mit seinem Feuer erfassen, stärken und auf seinen Wegen leiten. P. Paul B. Steffen